Meldung

Energiesprong beim dena-Kongress

Beim diesjährigen dena Energiewende-Kongress "NeuKlimaLand" brachte das Energiesprong-Marktentwicklungsteam VordenkerInnen und UmsetzerInnen aus Verbänden und Unternehmen zusammen. Unter dem Titel "Klimaneutral und bezahlbar Wohnen 2030" präsentierten und diskutierten die ReferentInnen Visionen, Wünsche und Lösungsansätze für das Wohnen von morgen.

Bei der Umfrage unter allen Teilnehmenden lag "Bezahlbarkeit" bei den Anforderungen an Wohnen 2030 weit vorne.

"Wir brauchen bezahlbare Lösungen"

In Impulsen, Pitches und Gespräche verdeutlichten die Akteure aus Verbänden, Unternehmen und Think Tanks das breite Spektrum von Aktivitäten in diesem Bereich. Die Beiträge und eine Umfrage mit dem Publikum drehten sich um die Frage: Wie werden wir in Zukunft zusammen leben und wohnen? Welche Initiativen, Ideen, Konzepte und Lösungsansätze gibt es bereits, um sozialverträglich zu sanieren und klimaneutrales Wohnen damit auch bezahlbar zu machen?

Sorcha Edwards vom europäischen Verband für Wohnungsunternehmen "Housing Europe", Dr. Melanie Weber-Moritz, Deutscher Mieterbund e. V. und Ingeborg Esser, Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V (GdW) diskutierten die Frage, wie sich Sozialverträglichkeit und Klimaschutz beim Wohnen und Bauen vereinbaren lassen.

Die Runde war sich einig: Es braucht einen Mix aus marktfähiger Technologie und digitaler Tools, der Integration und Mitsprache von Mieterinnen und Mietern und einer sozialakzeptablen Verteilung von Mehrkosten.

Im Gebäudebestand gäbe es bei der Modernisierung großen Nachholbedarf, gleichzeitig sei die Kostenfrage nicht geklärt, so Dr. Melanie Weber-Moritz, Mieterbund, vor allem auch mit Blick auf den CO2-Preis. Wenn die energetisch schlechtesten Gebäude zuerst saniert werden sollten, müsse auch an die oft dort wohnenden einkommenschwächeren Mieterinnen und Mieter gedacht werden, die häufig ohnehin schon an der Belastungsgrenze sind. Hier Lösungen zu finden, müsse ein Topthema der neuen Bundesregierung werden. 

Die Notwendigkeit, Modelle und Konzepte für warmmietenneutrale Sanierung weiterzuentwickeln, betonte auch Ingeborg Esser, GdW. Bei Sanierungen müssten CO2-Einsparungen und die Mieterinnen und Mieter gleichermaßen im Fokus stehen. Es brauche zusätzliche Förderkomponenten für warmmietenneutrales Wohnen. Zudem führten Quartiersansätze, bei denen jedes Gebäude zur Einsparung beiträgt, zu einem effektiveren Mitteleinsatz als die Sanierung individueller Gebäude.

Auch Sorcha Edwards von Housing Europe forderte dazu auf, verstärkt in Quartieren und Nachbarschaften zu denken und alle Komponenten miteinbeziehen: „The housing system needs to be reviewed in order to create a system that works and can deliver the energy transition – combining the green with the social aspects, bringing together CO2 savings, finance and peoples needs.” Die EU habe das richtig erkannt und die Affordable Housing Initiative als Teil der EU Renovation Wave gestartet. Ein wichtiges Mittel im Kamf gegen Energiearmut sei auch, durch digitale Mess- und Steuerungstools den Energieverbrauch der Menschen besser verstehen.

Welche Modelle und Lösungen gibt es heute schon, die klimaneutrales und bezahlbares Wohnen realisieren? Darum ging es im zweiten Teil des Panels:

Tilo Eichler, eG wohnen 1902 stellte die Erfahrungen mit dem Pilotmodell „Inklusivmiete“ vor, das die Wohnungsgenossenschaft in zwei Gebäuden nutzt.  Die Gebäude seien weitgehend energieautark und erzeugten durch Photovoltaik und Solarthermie im Frühjahr und Herbst genügend Energie für den Bedarf, ein thermischer Speicher und ein Akku ergänzen das System. Überschuss werde an das Quartier abgegeben. Das Monitoring zeige einen normalen Verbrauch. Die Wohnungsgenossenschaft will das Modell weiterentwickeln und seine Mieterinnen und Mieter so vor Preisänderungen auf dem Markt schützen.

Das kommunale Wohnungsunternehmen VBW Bauen und Wohnen GmbH aus Bochum saniert aktuell ein Gebäude mit 32 Wohnungen in bewohntem Zustand nach dem Energiesprong-Prinzip. Baupartner ist die Firma B&O. Sebastian Eck (VBW) und Nadin Bozorgzadeh, (B&O) stellten den Stand des Piloten vor und berichteten, warum sie sich für das Pilotvorhaben der seriellen Sanierung entschieden haben. Für Nadin Bozorzadeh (B&O) liegt die Motivation in den Herausforderungen der Bauwirtschaft: Es brauche in der Branche mehr Produktivität und automatisierte Prozesse, um trotz Fachkräftemangels die ambitionierten Sektorziele zu erreichen und das anstehende Sanierungvolumen umsetzen zu können. Die Bauwirtschaft müsse hier auch noch besser zusammenarbeite, um besser von Erfahrungen lernen zu können.

Sebastian Eck (VBW) passt die Energiesprong-Idee zu den wesentlichen Zielen der VBW.  Das Wohnhaus in Bochum werde durch die Energiesprong-Sanierung optisch aufgewertet und erreiche den energetischen NetZero-Standard mit Wohnungswärmepumpen und einer PV-Anlage. Damit sei der Anspruch der VBW an eine mieterfreundliche, bezahlbare, innovative und klimafreundliche Sanierung erfüllt. Wichtig sei auch eine transparente Mieterkommunikation, insbesondere für die Umstellung der Heizung.

In zwei kurzen Pitches zum Abschluss stellten zwei Herstller ihre innovativen Produkte vor:

-„RC Panels“ ist Marktführer für vorgefertigte Fassaden in den Niederlanden und stellt „plug & play“-Fassaden her, die innerhalb eines Tages ohne Gerüst montiert werden können. Das Start-up „Envola GmbH” aus Ulm hat die erste Speicherwärmepumpe entwickelt, die mehrere Systeme vereint. Dank des Speichers nutzt die Pumpte die verfügbare Energie der Umwelt genau denn, wenn diese vom Gebäude benötigt wird.