Pilotprojekt fertiggestellt

Erste Energiesprong-Sanierung mit innovativer Solarwaben-Fassade

Auf der Suche nach einer Modernisierungslösung, die Klimaschutz und bezahlbares Wohnen miteinander verbindet, stieß die WWS Herford auf das serielle Sanierungsverfahren Energiesprong.

„Das Energiesprong-Prinzip ist ein wichtiger Baustein, um unsere Objekte aus den 50er und 60er Jahren schnell und kostengünstig klimaneutral zu machen.“

Magnus Kasner, Geschäftsführer WWS Herford

2019 hat Herford als eine der ersten Kommunen in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen. Nach der Teilnahme am Energiewendekongress in Berlin entschloss sich das kommunale Wohnungsunternehmen WWS Herford ein Energiesprong-Projekt zu starten. Die vier Mehrfamilienhäuser mit 24 Wohnungen in der Ulmenstraße haben eine bewegte Geschichte. Gebaut als Wohnhäuser für die britischen Alliierten wurden sie nach deren Abzug zunächst als Flüchtlingsunterkunft und seit einigen Jahren als Studentenwohnheim genutzt. Wie viele Nachkriegsbauten wiesen die 1957 errichteten Gebäude den höchsten Energieverbrauch und CO2-Ausstoß im Portfolio der WWS aus. Mit einem Primärenergieverbrauch von 379 kWh/m²/a fielen sie in die schlechteste Energieeffizienzklasse und hatten somit den höchsten Sanierungsdruck.

Anfang 2021 beauftragte die WWS die österreichische GAP Solutions GmbH mit der seriellen Sanierung nach dem Energiesprong Prinzip. Durch die Kombination aus innovativ gedämmter Fassade, regenerativen Energien, Energierückgewinnungssystemen und einem effizienten Gebäudebetrieb sind 1.900 Quadratmeter klimaneutraler Wohnraum zu bezahlbaren Mietpreisen entstanden. Auch für die WWS hat sich das Sanierungsprojekt gerechnet. Von den Investitionskosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro waren 2,9 Millionen Euro förderfähig.

Welche positiven Auswirkungen der Energiesprong-Pilot auf die Umwelt hat, zeigt das aktuelle Energie- und CO2-Monitoring: der Primärenergiebedarf reduzierte sich um 89 Prozent, die CO2-Emissionen sanken um 170 Tonnen pro Jahr.

Für die WWS ist das Projekt in der Ulmenstraße nicht nur eine wertvolle Erfahrung und ein Beitrag zu Energiewende, sondern auch der Einstieg in weitere serielle Sanierungsvorhaben. Viele der 3.700 Bestandswohnungen wurden Ende der 50er Jahre gebaut und weisen eine ähnlich schlechte Energiebilanz auf. In den nächsten Jahren sollen 191 Wohneinheiten sowie 10.817 Quadratmeter Nichtwohngebäude nach dem Energiesprong-Prinzip energetisch modernisiert werden.

Quelle: WWS Herford
Verschieben Sie den blauen Pfeil für den Vorher/ Nachher-Vergleich: Pilot Ulmenstraße, Herford Foto: WWS Herford

Maßnahmen

  • Paneele mit verglaster Solarwabendämmung  
  • Gedämmte Dachelemente mit Photovoltaikmodulen auf beiden Dachseiten und auf Teilen der Fassade  
  • Vollelektrischen Wärme- und Warmwasserversorgung mittels Infrarot-Heizungen und Durchlauferhitzern
  • Fensterintegrierte Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung

Besonderheiten

Eine Besonderheit im ganzheitlichen Sanierungskonzept, das die WWS Herford mit der GAP solution GmbH umgesetzt hat, ist die innovative Solarwaben-Dämmung. Sie sorgt dafür, dass der Energiebedarf alleine über die Gebäudehülle um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann. Dabei verhindern in der Glasfassade integrierte Zellulosewaben mithilfe der Sonnenenergie, dass ein Wärmeverlust in der Wand stattfinden kann.

Das innovative Dämmsystem benötigt keine komplizierte Technik, sondern funktioniert nach einfachen physikalischen Prinzipien. In der kalten Jahreszeit dringt das Sonnenlicht durch den niedrigen Sonnenstand bis tief in die Wabe ein. Die Solarwaben erzeugen ein warmes Luftpolster, das das Gebäude wie eine Dämmschicht umhüllt. Dieser Effekt reduziert den Wärmeverlust auf beinahe Null und schaltet Wärmebrücken aus. Im Sommer sorgt die ausgeklügelte Wabenstruktur für den gegenteiligen Effekt. Bei hohem Sonnenstand reflektieren die Solarwaben einen Teil der Strahlung und verschatten sich aufgrund ihrer Geometrie selbst. Somit herrschen im Inneren auch ohne Klimatechnik stets angenehme Temperaturen.

Mehrfamlienhaus mit Solarwaben-Dämmung | Foto: WWS Herford

Lessons Learned

Das Projekt in der Ulmenstraße hat gezeigt, dass selbst Gebäude der schlechtesten Effizienzklasse H mit einer Energiesprong-Sanierung auf ein Effizienzlevel von A gebracht werden können. Lag der Primärenergiebedarf der vier Häuser vor der Sanierung bei 379 kWh/m²/a, ist er nach der Modernisierung auf 41 kWh/m²/a gesunken, was einer Energieeinsparung von rund 90 Prozent entspricht.

Durch Nutzung des selbst erzeugten PV-Stroms auf dem Dach werden in der Ulmenstraße mehr als 60 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden. Die eingesparte Erdgasmenge von 510 MWh reduziert den CO2-Ausstoß um weitere 110 Tonnen, sodass nach der seriellen Sanierung insgesamt 170 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Laut Schätzungen der dena gibt es in Deutschland rund 300.000 kleinere bis mittlere Mehrfamilienhäuser aus den 50er bis 70er Jahre, die durch eine Energiesprung-Sanierung schnell und einfach auf ein besseres energetisches Niveau gehoben werden können. Kommunale Wohnungsbaugesellschaften können hier mit gutem Beispiel vorangehen und damit ein wichtiges Signal in den Markt senden.

Statements

„Wenn wir den energetischen Wandel schaffen wollen, dürfen wir uns nicht nur auf den Verkehr konzentrieren. Der Gebäudebereich gehört zu den größten CO2-Produzenten. Energiesprong ist nicht nur Klimaschutz-, sondern auch Sozialpolitik. Die Bewohner zahlen unterm Strich nicht mehr Miete, weil die höhere Kaltmiete durch Energieeinsparungen kompensiert wird.“
Tim Kähler, Bürgermeister Herford

„Als nachhaltig agierende Gesellschaft haben wir uns ehrgeizige ökonomische, ökologische und soziale Ziele gesetzt. Die serielle energetische Sanierung der Wohngebäude kann hier ein wichtiger Baustein zur Erreichung der Ziele sein.“
Magnus Kasner, Geschäftsführer WWS Herford

„Sind die umfangreichen vorbereitenden Arbeiten und die Haustechnik erledigt, wird ein Gebäude an nur einem Tag eingehaust. Von alt auf neu – dieser faszinierende Effekt durch das Anbringen der großen Wandpaneele kann schon nach 12 Stunden betrachtet werden, das ist eine tolle Sache.“
Ralf Wöhler, Bauleiter WWS

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