FAQs

Hier finden Sie eine Übersicht der häufigsten Fragen zum seriellen Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip.

Bestandsgebäude verbrauchen für Raumwärme und Warmwasserbereitung das Drei- bis Fünffache dessen, was heute technisch möglich ist. Die energetische Sanierung von Gebäuden trägt daher ganz erheblich dazu bei, den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß zu senken. 

Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen ein großer Teil der Wohngebäude bis 2050 umfassend saniert werden. Das stellt auch viele Wohnungsunternehmen vor große Herausforderungen – von hohen Investitionen über aufwendige Planungen bis hin zu mangelnder Akzeptanz der Maßnahmen durch die Mieter. Oftmals fehlen verfügbare, qualifizierte Handwerker, um die Maßnahmen umzusetzen. Baufirmen klagen über Kapazitätsengpässe durch den zunehmenden Fachkräftemangel, was wiederum zu steigenden Baukosten führt – und einer stagnierenden, viel zu niedrigen Sanierungsquote.

Um die Sanierungsquote signifikante zu erhöhen, braucht es Sanierungsansätze, die Lösungen für die oben genannten Herausforderungen bieten. Wir brauchen neu gedachte Sanierungsprozesse, die schneller und günstiger  sind und das bei garantierter, gleichbleibend hoher Qualität.. Ein größerer Grad an Standardisierung und Vorfertigung kann  einen Beitrag leisten, um Sanierungen zu vereinfachen, Stückzahlen und Planungssicherheit erhöhen und die Kosten zu senken. Mieterinnen und Mietern kommt dies bei der Umlage der (geringeren) Kosten zu Gute. So kann energetisches Sanieren einfacher, günstiger und schließlich populärer werden.

Zugleich kann über die weitere Marktausbreitung und dem damit verbundenen Aufbau bauseitiger Fertigungskapazitäten auch ein Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland geleistet werden. Serielles Sanieren setzt auf die  Abläufe und Technologien der Industrie 4.0. Das Potenziel der Digitalisierung kann so in der Baubranche genutzt werden und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.  

Mit einem digitalisierten, neu gedachten Bauprozess, vorgefertigten Elementen für Fassade, PV-Dach, Haustechnik und einem innovativen Finanzierungsmodell werden Gebäude innerhalb weniger Wochen auf einen NetZero-Standard gebracht. Das bedeutet, dass sie im Jahresmittel so viel erneuerbare Energie erzeugen, wie für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird. Grundlage hierfür ist der KfW-55-Standard und eine Volldach-PV-Anlage, häufig kombiniert mit einer Wärmepumpe. Dieser ambitionierte Standard wird über eine lange Betriebsdauer gesichert. Zudem bietet die serielle Vorfertigung bei großen Stückzahlen ein enormes Kostensenkungspotential bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität – pro Fachkraft kann mehr saniert werden. Die Standardisierung vereinfacht für den Auftraggeber auch den Ausschreibungs-und Bestellprozess. Statt vieler Einzelbeauftragungen und detaillierter Leistungsbeschreibungen kann bei einem Generalübernehmer das „Paket“ Sanierung auf den Net-Zero-Standard bestellt werden. Dieses Unternehmen ist dann zentraler Ansprechpartner für den Auftraggeber und koordiniert alle beteiligten Akteure.

Diese Elemente –  langjährig gesicherter NetZero-Standard und hohes Kostensenkungspotential – tragen wesentlich dazu bei, dass diese Sanierungen perspektivisch auch warmmietenneutral möglich werden sollen. Hinzu kommt eine hohe Nutzerorientierung: Wie auch bei anderen in Serienproduktion gefertigten Gütern sind individuelle gestalterische Anpassungen etwa bei Farben, optischen Elementen und Oberflächen möglich. Nicht zuletzt werden die Bauzeiten stark verkürzt, wodurch die Bewohner nur minimal beinträchtig werden. So können Klimaschutz und bezahlbares Wohnen vereint, energetisch hocheffiziente Sanierungen zügig in der Breite umgesetzt und die Sanierungsrate deutlich gesteigert werden.

Vorteile des seriellen Sanierens nach dem Energiesprong-Prinzip:

  • Energiesprong setzt auf eine modulare Bauweise, Vormontage der einzelnen Elemente und einen standardisierten Prozess. Dadurch reduzieren sich Sanierungszeit und Baukosten erheblich.
  • Die sanierten Gebäude erhalten den besonders guten Energiestandard NetZero, bei dem über das Jahr genauso viel Energie produziert wird, wie für Wärme und Haushaltsstrom benötigt wird. Damit machen Sie Ihre Gebäude zukunftssicher und sind optimal auf zukünftige Anforderungen vorbereitet.
  • Ziel ist eine warmmietenneutrale Umsetzung, bei der sich die Sanierung aus den resultierenden Energieeinsparungen und geringeren Instandhaltungskosten finanziert – ohne Mehrbelastung für die Mieter.
  • Die Mieterzufriedenheit steigt, weil die Mieterinnen und Mieter ein modernes und komfortables Zuhause zu fairen Preisen erhalten und beim Umbau nur minimal gestört werden.
  • Neue und vereinfachte Bestellung von "1 Stück" Sanierung für Gebäudeigentümer.
  • ein neues attraktives Geschäftsmodell für Bauunternehmen.

Zu Beginn wird das Gebäude mit Hilfe eines 3D-Laserscanners vermessen. Anhand dieser Daten wird die Planung erstellt und direkt in die Fertigungsplanung übertragen. Auf deren Basis werden im Werk die Fassadenelemente millimetergenau und unter gleichbleibenden Bedingungen vorgefertigt –inklusive Fenstern, Türen, Dämmung und Außenputz. Die Dachelemente werden ebenso vorgefertigt. Durch die industrielle Fertigung lassen sich gleichbleibend hohe Qualitätsstandards  besser einhalte..Wie auch bei anderen in Serienproduktion gefertigten Gütern sind individuelle gestalterische Anpassungen etwa bei Farben, optischen Elementen und Oberflächen problemlos möglich.

Im Anschluss werden die vorgefertigten und maßgeschneiderten Elemente per Tieflader zum Haus transportiert und am Gebäude montiert. Damit aus dem Pilotprojekt bauliche Realität werden kann, sind Fachhandwerksbetriebe gefragt, die an einem neu organisierten und innovativen Sanierungsprozess mitwirken wollen. Dieser Prozess geht in der Regel schnell: Die Bewohner sind, im Vergleich zur traditionellen Sanierung, viel kürzer den Belastungen durch eine Baustelle ausgesetzt.

Zudem kommt eine Photovoltaikanlage auf das Dach. Ebenfalls vormontiert wird ein integriertes Energiemodul, das die gesamte Haustechnik enthält, darunter zum Beispiel eine Wärmepumpe, die die alte Heizung ersetzt, ein Warmwasserspeicher, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie die Elektronik für Photovoltaik und Monitoring.Das Modul wird als Gesamteinheit, die nur noch angeschlossen werden muss, auf die Baustelle geliefert.Solche Module werden in den Niederlanden, dem Ursprungsland von Energiesprong, bereits in Serie gefertigt.

 

Das Ziel ist, Sanierungskosten zu erreichen, die sich aus Einsparungen bei Energiekosten und Instandhaltungskosten ggf. ergänzt durch eine Förderung weitgehend refinanzieren, so dass die Sanierungen sozialverträglich umsetzbar sind. Bei den ersten Projekten ist eine höhere Förderung für eine gute Wirtschaftlichkeit unerlässlich, da Bauunternehmen anfänglich hohe Entwicklungskosten entstehen, die auf die ersten Projekte umgelegt werden.

Bei einem größeren Absatzmarkt werden die Baukosten je Quadratmeter jedoch künftig sinken – durch höhere Stückzahlen, eine schrittweise Standardisierung der Prozesse und eine Optimierung der Planungen und Vorgehensweisen. Vorbild und Vorreiter sind hier die Niederlande: In wenigen Jahren haben Unternehmen dort 5.000 Gebäude mit einem Bauvolumen von rund einer halben Milliarde Euro nach dem Energiesprong-Prinzip saniert, die Kosten ließen sich dabei um rund 40 Prozent gegenüber den ersten Projekten reduzieren.

 

 

 

Aktuell liegt der Fokus auf dem Bestand von Wohnungsunternehmen (Mehrfamilienhäuser), da bei ihnen nur eine relativ kleine Zahl von Entscheidern über die Sanierung einer sehr großen Zahl von Gebäuden befinden kann. Besonders geeignet ist hier die Gruppe kleinerer Mehrfamilienhäuser aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren mit einfacher Hülle und einem eher hohen Energieverbrauch von ca. 130 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Schätzungsweise 300.000 dieser Gebäude gibt es in Deutschland. Perspektivisch kommen auch andere Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser oder Nichtwohngebäude für eine Energiesprong-Sanierung in Frage.

Eine serielle Sanierung ist grundsätzlich für architektonisch einfachere und typenähnliche Gebäude geeignet und kann konventionelle Sanierungsansätze sinnvoll ergänzen. Grundsätzlich kommen rund 2,3 Millionen Gebäude in Deutschland für eine serielle Sanierung in Frage, darunter Mehrfamiliehäuser, Einfamilienhäuser und Nichtwohngebäude wie Schulen oder Büros. Gelingt es, ährlich nur ein halbes Prozent unseres Gebäudebestands mehr zu sanieren, bedeutet das einen  Markt von 20 Mrd.€ Bauvolumen jährlich

Seit 2017 überträgt die Deutsche-Energie-Agentur (dena) im Rahmen des BMWi-geförderten Zuwendungsprojekts „Serielles Sanieren MFH“ diese Grundidee auf den deutschen Mehrfamilienhausbestand. Hier ist auch das Marktentwicklungsteam angesiedelt. Der GdW unterstützt das Projekt.

Das Marktentwicklungsteam koordiniert den Innovationsprozess und bringt die entscheidenden Akteure zusammen. Es begleitet und unterstützt Unternehmen, Pilotprojekte zu planen und umzusetzen sowie gemeinsame Lösungen und Standards für das serielle Sanieren erarbeiten.  Auf Seiten der Wohnungswirtschaft setzt es sich dafür ein, die entsprechende Nachfrage zu schaffen und zu bündeln. Die Bauwirtschaft wird dabei unterstützt, Energiesprong-Lösungen anzubieten und kontinuierlich zu verbessern. Bei der Politik engagiert sich das Marktentwicklungsteam für optimale politische und finanzielle Rahmenbedingungen, um den Breitenmarkt anzustoßen. Ziel ist es, eine Marktdynamik auszulösen, die die Bauwirtschaft bewegt, in digitalisierte Vorfertigungssysteme für maßgeschneiderte, industrielle Lösungen zu investieren.

Für Wohnungsunternehmen, die jetzt mit der Umsetzung von Energiesprong-Lösungen starten möchten, bietet die dena das  Coachingprogramm „Net Zero Now!“ an. Das Programm unterstützt bei der Umsetzung eines ersten Piloten und bereitet die Übertragung auf weitere Projekte in den nächsten Jahren vor.

Mehr Informationen zum Net-Zero-Now-Programm: https://www.energiesprong.de/marktentwicklung-aktuell/net-zero-now-programm/

Energiesprong wird weltweit angewandt. Zwischen den Teams aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden gibt es einen engen Austausch. Gemeinsames Ziel ist es, Null-Energie-Sanierungslösungen für Mehrfamilienhäuser in Nordwest-Europa zu entwickeln. Denn in diesen vier Ländern allein gibt es rund 43 Millionen Wohnungen, die in den nächsten 30 Jahren saniert werden müssen, um die EU-Klimaziele für 2050 zu erreichen.

Weitere Marktentwicklungsteams sind derzeit in Kanada und dem US-Bundesstaat New York aktiv.

Wichtige Wegbereiter sind Pilotvorhaben, die ganz praktisch zeigen, wie es funktioniert.Aktuell planen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft und der Baubranche, die sich als Pioniere der neuen Sanierungsmethode verstehen, erste Pilotprojekte und setzen diese teilweise bereits um, u.a. in  Köln, Hannover und Bochum. Diese ersten Projekte erhalten neben der Förderung der KfW-Bank für energieeffizientes Sanieren auch Gelder aus dem EU-Programm INTERREG NWE „Mustbe0“.

Die erste Sanierung eines Mehrfamilienhauses in Hameln ist abgeschlossen, weitere Wohnungsunternehmen planen serielle Modernisierungen für 2021. Ziel ist es, einen Baukasten für serielle Sanierungslösungen zu entwickeln. Das geschieht durch das Entwickeln von Konzepten, die an ersten Pilotprojekten in der Praxis getestet und anschließend weiterentwickelt und optimiert werden können. So entsteht eine erste serienreife Lösung. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass hierfür einige Projekte nötig sind.

Zugleich wurden im Rahmen des öffentlich geförderten Projekts ein Business Case entwickelt und Lösungsansätze für verschiedene technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen entworfen.

Ein Meilenstein war im Jahr 2019 ein Volume Deal zwischen Wohnungswirtschaft und Bauwirtschaft, unterstützt durch die Politik. Diese Absichtserklärung bündelt 17.000 Wohneinheiten, die in den kommenden Jahren seriell s

Der Energiesprong Volume Deal ist eine gemeinsame Absichtserklärung von Bau- und Wohnungswirtschaft mit Unterstützung der Politik, um die Marktentwicklung serieller Null-Energie-Sanierungslösungen zu beschleunigen.

Das ist von enormer Bedeutung, um das Henne-Ei-Problem zu lösen: Die Bauwirtschaft muss ein Konzept entwickeln, das die Wohnungswirtschaft ihrerseits beauftragen kann. Um diesen Innovationsprozess anzustoßen und für Bauunternehmen attraktiv zu machen, wird ein größeres Auftragsvolumen der Wohnungswirtschaft benötigt. Das wird mit dem ersten Energiesprong Volume Deal in Deutschland zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollen rund 17.000 Wohneinheiten in den nächsten vier Jahren seriell saniert werden und den Net-Zero-Standard erreichen.

Die Bauseite sagt zu, skalierbare Sanierungslösungen mit Kostensenkungspotenzial zu entwickeln, die die Wohnungsunternehmen in Kombination mit einer erhöhten Förderung wirtschaftlich umsetzen können.