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Energiesprong DE

Neue Energiesprong-LCA-Studie zeigt Potenzial serieller Sanierung

Der größte Hebel für Treibhausgas-Einsparungen liegt in der Energieeffizienz. Gleichzeitig eröffnet serielle Sanierung Potenziale für Kohlenstoffspeicherung und das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG).

Mit der neuen Studie zur Lebenszyklusanalyse (LCA) von weberbrunner pischetsrieder architektur und FrieNa – Friedel Nachhaltigkeitsberatung, die im Auftrag des dena-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren/Energiesprong DE erstellt wurde, liegt erstmals eine detaillierte Betrachtung der Klimawirkung serieller Sanierung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes vor. Gegenüber dem unsanierten Weiterbetrieb lassen sich die Treibhausgasemissionen je nach Sanierungsvariante um 74 bis 81 Prozent reduzieren. Gleichzeitig zeigt die Studie, welches zusätzliche Potenzial in biobasierten Materialien und Re-Use steckt.

„Unsere Studie stellt heraus, dass für die Klimawirkung eines Gebäudes neben der Energieeffizienz auch Materialien und Konstruktion, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie die Energieversorgung entscheidend sind. Mit der seriellen Sanierung treiben wir eine Lösung voran, die diese Aspekte zusammenführt. Sie macht Sanierung skalierbar und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.”

Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung

Serielle vs. konventionelle Sanierung

Untersucht wurden zwei baugleiche Mehrfamilienhäuser des Modellprojekts in Salzgitter der TAG Immobilien AG aus dem Jahr 1962 mit insgesamt 72 Wohneinheiten. Verglichen wurden eine serielle Sanierung auf Effizienzhausstandard EH 55, eine konventionelle Sanierung auf denselben Standard sowie der unsanierte Weiterbetrieb. Ein zusätzliches Szenario untersuchte, welche Effekte sich durch den verstärkten Einsatz nachwachsender Rohstoffe und wiederverwendeter Bauteile erzielen lassen.

Bei der seriellen Variante ergibt sich über den gesamten Lebenszyklus gegenüber dem unsanierten Weiterbetrieb eine Einsparung von rund 3.000 Tonnen CO₂e. Besonders interessant ist der Blick auf die Materialien: Werden nachwachsende Rohstoffe eingesetzt, kann Kohlenstoff langfristig in den Bauteilen gebunden werden. In Kombination mit Re-Use-Materialien eröffnet die serielle Sanierung damit Perspektiven für eine stärker zirkuläre Sanierungspraxis.

Nicht nur der Energieverbrauch zählt

Für die Klimawirkung einer Sanierung ist nicht allein entscheidend, wie viel Energie ein Gebäude nach der Sanierung noch benötigt. Auch Herstellung und Einsatz der Baustoffe, technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Energieversorgung spielen eine wichtige Rolle. Die LCA macht deutlich, dass die Wahl der Energieträger und die Ausgestaltung der TGA einen erheblichen Einfluss auf die Treibhausgasemissionen haben. Im Modellprojekt wurden deshalb unterschiedliche Konzepte für die Wärme- und Warmwasserversorgung betrachtet. Mehr dazu im Interview mit Dirk Förster-Wehle von der TAG Immobilien AG, siehe unten.

QNG-Perspektive für die serielle Sanierung

Die LCA liefert darüber hinaus ein wichtiges Signal für die Nachhaltigkeitsbewertung: Mit einer seriellen Sanierung lässt sich der Treibhausgas-Grenzwert des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erreichen. Damit eröffnet sich perspektivisch eine attraktive Förderperspektive für die Wohnungswirtschaft. Sollte die angekündigte vereinfachte Anwendung der Lebenszyklusanalyse im Rahmen des BEG-Updates umgesetzt werden, könnte die NH-Klasse zu einem zusätzlichen Anreiz für nachhaltige serielle Sanierungen werden.

Die vollständige LCA-Studie steht hier zum Download bereit.
 

Dirk Förster-Wehle, TAG Immobilien AG begleitet das als Modellprojekt für die Energiesprong-LCA-Studie untersuchte Sanierungsprojekt in Salzgitter. Im Interview gibt er Einblicke, warum für die TGA verschiedene Lösungen entwickelt wurden und welche Rolle Energieeffizienz, PV-Nutzung und der Erhalt bestehender Bauteile spielen.

Welche Erkenntnis aus der LCA-Studie hat Sie besonders überrascht?

Erwartbar war für uns, dass die Wahl der Energieträger und die entsprechenden Emissionsfaktoren einen großen Einfluss auf die Klimabilanz haben. Wie groß dieser Hebel bei der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) tatsächlich ist, wurde aber noch einmal sehr deutlich. Überraschend war für mich auch das enorme CO₂-Speicherpotenzial der seriellen Sanierung. Dass serielle Konstruktionen hier einen Unterschied machen können, hatten wir erwartet – das Ausmaß war dennoch bemerkenswert.

Welche Rolle spielt die Energieversorgung für das Projekt in Salzgitter?

Wir wollten die gute Ausgangslage vor Ort nutzen und für die Heizung die vorhandene Fernwärme einsetzen. Sie nutzt Abwärme aus den nahegelegenen Stahlwerken und bietet damit gute Voraussetzungen für Mietende und Umwelt. Gleichzeitig wollten wir den Strom von den neuinstallierten PV-Anlagen möglichst im Gebäude nutzen. Wenn 95 Prozent des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist werden, ist die wirtschaftliche Nutzung deutlich geringer. Deshalb haben wir nach Lösungen gesucht, mit denen wir den Strom möglichst direkt für die Wärmeversorgung einsetzen können, was auch den Mietenden zugutekommt.

Wie sieht das TGA-Konzept konkret aus?

Wir haben uns für die beiden Gebäude zwei unterschiedliche Varianten überlegt: Eine Variante kombiniert eine Wärmepumpe mit mehreren größeren Warmwasserspeichern. Wenn PV-Strom verfügbar ist, können die Speicher gezielt geladen werden. So wird der Strom im Gebäude genutzt und nicht zu einem deutlich niedrigeren Wert ins Netz eingespeist. Gleichzeitig reduziert die Wärmepumpe die benötigte Energiemenge für die Warmwassererzeugung. Für die Heizung setzen wir dagegen auf die vorhandene Fernwärme.

Und was ist die Idee hinter der zweiten Variante?

Hier geht es um eine zentrale Energieversorgung mit dezentralen Warmwasserspeichern in den Wohnungen. Die Speicher werden über einen gemeinsamen Stromanschluss mit PV-Strom versorgt. So können wir die dezentrale Anwendung beibehalten, aber die Energieversorgung stärker zentral steuern. Das ermöglicht eine bessere Nutzung des PV-Stroms und soll zugleich die Betriebssicherheit erhöhen. Die rechtliche Umsetzung dieses Konzepts wird allerdings derzeit noch geprüft.

Was nehmen Sie aus dem Projekt für weitere Sanierungen mit?

Wir müssen stärker darauf achten, welche Materialien bereits im Gebäude vorhanden sind. Wenn eine bestehende Dämmung technisch weiter genutzt werden kann, sollte man sich gut überlegen, ob man sie entfernt. Die graue Energie ist schließlich bereits investiert. Gleichzeitig sollten wir frühzeitig überlegen, welche Bauteile später wiederverwendet werden können.
 

Pressekontakt

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Ariane Steffen

Kommunikation Wohn- & Nichtwohngebäude

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