Zwölf neue Verfahren für Neubau und Sanierung
Beim Innovations-Forum Baden-Württemberg zeigten zwölf Unternehmen, wie sich Bauen und Sanieren schon heute beschleunigen, vereinfachen und klimaverträglicher gestalten lassen.

Am 12. und 13. Oktober 2026 fand das Innovations-Forum Baden-Württemberg in Künzelsau unter der Schirmherrschaft von Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, statt. Gastgeber war die Firma Würth. Bei der Initiative vom dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE in Kooperation mit Neues Bauen – 80 Sekunden arbeiteten Hersteller und Wohnungsunternehmen daran, neue Bau- und Sanierungslösungen von Pilotprojekten in die breite Anwendung zu bringen. Im Mittelpunkt standen zwölf Innovationen, die Bau- und Sanierungszeiten verkürzen, Kosten senken und Klimabilanzen verbessern.
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, betonte vor den Gästen:
„Die Baukosten treiben die ganze Branche um und belasten diejenigen, die bauen möchten. Die Kosten beim Bau entscheiden mit darüber, ob Wohnungen bezahlbar bleiben und ob Bauvorhaben zustande kommen. Deshalb müssen wir einfacher, schneller und verlässlicher bauen und sanieren. Digitale Planung und vorgefertigte Bauteile können Wartezeiten verkürzen, Abläufe besser planbar machen und Kosten senken. Gute Lösungen dürfen nicht in einzelnen Pilotprojekten stecken bleiben. Dafür braucht es den Austausch zwischen Bauwirtschaft und Wohnungsunternehmen. Genau darin liegt die Stärke dieses Forums: Es bringt kluge Köpfe zusammen, damit aus Innovationen wiederholbare Praxis wird.“
Innovationen im Überblick
- Viel Zeit geht verloren, bevor die Baustelle beginnt: Die Erfassung des Bestands ist aufwendig, und Planungen werden häufig erst nachträglich gegen Regeln und Normen geprüft. Den ersten Schritt beschleunigen digitale Gebäudemodelle aus dem Bestand, wie sie bimeto erstellt.
- Entsteht die Planung von Beginn an innerhalb fester Regeln, liegen normgerechte Varianten samt Flächen-, Mengen- und Kostenkennwerten binnen Minuten vor; neoBIM stützt sich dafür bei Logistikimmobilien auf mehr als 700 hinterlegte Planungsregeln.
- Auch im Bestand lässt sich Bauzeit sparen: Statt Betontragwerke zurückzubauen oder zu ersetzen, verstärkt Würth sie mit RELAST über eine Verbundankerschraube, die von einer Seite eingebaut wird, sofort belastbar ist und Arbeiten im laufenden Betrieb erlaubt.
- Im Trockenbau lassen sich bis zu 80 Prozent des Stahls einer Wandkonstruktion ersetzen, wenn Profile aus 87,9 Prozent recyceltem Zellstoff zum Einsatz kommen. SORIWA hat dafür ein Multi-Profil entwickelt, das mehrere herkömmliche Profiltypen ersetzt.
- Bei der Abdichtung von Bädern entfallen die üblichen Wartezeiten vor dem Fliesenlegen, wenn die Bahn rückseitig selbstklebend ist wie bei DryXpress von Faktum Industries; bei seriellen und modularen Vorhaben summiert sich dieser Vorteil.
- Die Bestandsgrundlage für Sanierung, Umbau und Aufstockung, deren Beschaffung Zeit und Fachkräfte bindet, erstellt 1000hands per 3D-Laserscanning standardisiert als Grundrisse, CAD-Pläne und BIM-Modelle, bis hin zu Portfolios mit rund 1,5 Millionen Quadratmetern Bruttogrundfläche.
- Klimaneutrales Bauen und Sanieren beginnt beim Material und bei belastbaren Daten. PaleaVita will mit einem Holz-Stroh-Modulsystem für den seriellen Wohnungsbau graue Energie vermeiden und Kohlenstoff dauerhaft im Gebäude binden.
- Für die Sanierung, möglichst im bewohnten Zustand, erfasst greeenNXT Gebäude per 3D-Scan als digitalen Zwilling und fertigt passgenaue Fassaden- und Dachelemente aus Holz.
- Umweltproduktdeklarationen, die Datengrundlage für Gebäudeökobilanzen, benötigten bislang sechs bis zwölf Monate; mit der Plattform von Emidat sind es etwa zwei Wochen.
- Wie viel ein besser organisierter Bauablauf bringt, zeigt WINDOWMENT von Beck + Heun: Fenster, Beschattung, Antrieb, Führungsschienen und Fensterbank kommen als fertiges Modul auf die Baustelle. Das Gebäude ist früher geschlossen, und bei einem Referenzprojekt in Potsdam verkürzte sich die Bauzeit um sechs Wochen.
Als Wildcards hatte der Beirat zusätzlich Valoon und LCM Digital gesetzt.
Nächste Stationen
Die Innovations-Offensive 2026, in der bislang 53 marktreife Verfahren vorgestellt wurden, wird am 17. November in Thüringen bei Viega in Großheringen unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Mario Voigt fortgesetzt. Am 23. November folgt das Forum Bayern bei Goldbeck in München mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder.
