Serielle Sanierung meets Science
Wie können Forschung und Praxis serielles Sanieren gemeinsam auf ein neues Level heben? Antworten lieferte die erste Energiesprong on Innovationstour zum Fraunhofer-Zentrum für Industrialisiertes Bauen und Sanieren (ZIBS) in Stuttgart.
Innovationspotenziale heben

Klimawandel, demografischer Wandel, Ressourcenknappheit, Energiewende – die Baubranche steht vor großen Herausforderungen, baut aber bislang weiter wie bisher. Von allen Wirtschaftszweigen hat die Baubranche den geringsten Innovationsgrad. Auf der anderen Seite aber auch das größte Innovationspotenzial. Mit dem neuen Zentrum für Industrialisiertes Bauen und Sanieren (ZIBS) will die Fraunhofer-Gesellschaft die digitale und nachhaltige Transformation der Bauwirtschaft aktiv vorantreiben. Unter dem Dach des ZIBS bündeln fünf Fraunhofer-Institute ihre Kompetenzen.
„Wir verstehen uns als Innovationsmotor, der Technologien aus der Industrie auf den Bau überträgt“, erklärt Rafael Gramm vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Es gehe nicht darum, alles in die Werkshalle zu verlagern. Vielmehr wolle man Prozesse und Produkte mithilfe innovativer Technologien auf ein neues Effizienz-Niveau bringen.
Bauen neu denken

Spannende Ein- und Ausblicke eröffnete eine Führung durch die Labore des ZIBS. Am Prüfstand im Labor für Integrale Fassaden-Technologie (LIFT) des Fraunhofer- Instituts für Bauphysik können Fassaden hinsichtlich ihrer Brand-, Schall- und Wärmeschutzeigenschaften geprüft und optimiert werden. Das Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik arbeitet an der Schnittstelle zwischen Technik und Biologie.
„Die Natur bietet für viele Herausforderungen überzeugende Lösungen, von denen die Bauwirtschaft profitieren kann“, macht Michaela Müller, Head of Innovation, deutlich. So zum Beispiel das sich nach dem Prinzip eines Kiefernzapfens selbst verschattende Fassadensystem Solar Gate. Das Institut für Produktionsanlagen und Automatisierung präsentierte eine Hybridzelle mit Industrieroboter und Druckaggregat für großformatigen 3D-Druck. Highlight war das Immersive Participation Lab des Fraunhofer-Instituts für Arbeit und Organisation. Aus BIM-Modellen werden hier erleb- und begehbare virtuelle Gebäude. Auf diese Weise können Funktionen im späteren Betrieb bereits in der Planungsphase simuliert werden.
Interdisziplinär diskutieren
Welche weiteren Funktionen können in vorgefertigte Fassadenelemente integriert werden? Wie können möglichst viele Gebäude in kurzer Zeit auf regenerative Energien umgestellt werden? Welche Weichenstellungen braucht die nachhaltige Transformation? Welche Hemmnisse müssen abgebaut werden, um die Potenziale der Digitalisierung ausschöpfen zu können? In vier Think Tanks diskutierten Teilnehmende aus Praxis und Forschung – und fanden gemeinsam wegweisende Antworten. Als größtes Hemmnis auf dem Weg zur digitalen Transformation der Bauwirtschaft wurde die „German Angst“ vor Neuem adressiert. Auch die Unkenntnis hinsichtlich der Mehrwerte bremst den digitalen Fortschritt aus. Für einen nachhaltigen Wandel der Baubranche braucht es grundsätzliche Änderungen in der Regulatorik. So sollte die Förderlogik auf CO2-Einsparung ausgerichtet werden. Eine produktspezifische CO2-Bepreisung könnte für zusätzliche Anreize sorgen. Auch eine Rücknahmeverpflichtung auf Herstellerseite könnte als Hebel für mehr Nachhaltigkeit wirken.
Gemeinsam schneller vorankommen
Das ZIBS versteht sich als wissenschaftlicher Sparringspartner, der Innovationen gemeinsam mit der Bauwirtschaft bis zur Marktreife entwickelt. Bauunternehmen, Baustoffproduzenten, Handwerksbetriebe sowie Architektur- und Planungsbüros können sich mit einer themenspezifischen Ideenskizze im ZIBS bewerben. Bei erfolgreicher Auswahl forschen Fraunhofer-Expertinnen und -Experten an der eingereichten Projektidee. In der ersten Ausschreibungsrunde wurden 63 Ideen eingereicht. Das Themenspektrum reichte von LCA, Recyclingbaustoffen und Green Skills bis zu BIM, 3D-Druck, Co-Bots und Künstliche Intelligenz. Bewerbungen für die zweite Runde sind noch bis zum 28.2. möglich. Unternehmen außerhalb von Baden-Württemberg können nicht durch das ZIBS gefördert werden.
„Eine Zusammenarbeit mit den am ZIBS beteiligten Instituten ist aber trotzdem möglich“, betont Dr. Tim Mayer. So gibt es insbesondere für kleinere Unternehmen unterschiedlichste Förderformate auf Bundes- oder Länderebene. Zudem können für Themen im Umfeld von Bau und Sanierung Förderprogramme auf europäischer und nationaler Ebene genutzt werden. Das Team des ZIBS berät interessierte Unternehmen individuell zu allen Fragen rund um die Förderung.






