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Energiesprong DE

Drei Jahre – fünf Länder – ein Ziel: Circular Reno zieht Bilanz

Nach drei Jahren Zusammenarbeit mit Projektpartnern aus Frankreich, Irland, Belgien und den Niederlanden fand das Interreg-NWE-Projekt Circular Reno seinen erfolgreichen Abschluss. Da Projekt zeigt, dass das Bauen und Sanieren mit biobasierten Baustoffen keine Nische mehr sein muss, sondern Potenzial hat, zum neuen Standard zu werden.

Der Gebäudesektor ist weltweit für knapp 40 Prozent der energie- und prozessbedingten CO₂-Emissionen verantwortlich – davon entfallen über 10 Prozent auf Baumaterialien. Die Reduzierung CO₂-intensiver Rohstoffe im Bausektor hat daher weltweit oberste Priorität – nicht nur bei Neubauten, sondern besonders im wachsenden Markt der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden. Die EU plant, bis 2030 rund 35 Millionen Gebäude zu sanieren.

Der Einsatz regionaler, biobasierter Materialien wie Stroh, Hanf oder Miscanthus bietet zusätzlich die Möglichkeit Kohlenstoff in Gebäuden zu speichern. Dafür braucht es regionale Wertschöpfungsketten, die Landwirtschaft, Hersteller von Fertigbauteilen, Bauunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften, Forschungseinrichtungen und unterschiedliche Initiativen verbinden: vom Feld ins Gebäude!

Hier setzt Circular Reno an und bringt Landwirtschaft, Wohnungswirtschaft und Bauwirtschaft in transnationaler Zusammenarbeit zusammen. Gemeinsam wurden geeignete Lösungen, Maßnahmenpakete und unterstützende Werkzeuge entwickelt, getestet und in Pilotprojekten eingesetzt. Auch die notwendigen Rahmenbedingungen wurden analysiert und hilfreiche Leitfäden und Unterlagen erarbeitet, um diesen Prozess zu unterstützen.
 

Für Deutschland waren das Team energiesprong der dena gemeinsam mit dem Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn als Team Deutschland im Konsortium vertreten. Über drei Jahre hat das Konsortium aus 17 Partnern in 6 Ländern (FR, DE, NL, BE, IR und UK) gemeinsam:

  • Regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut, die Landwirtschaft, Verarbeiter, Baustoff- und Fertigbau-Hersteller, Bauunternehmen und Wohnungsunternehmen miteinander verbinden – u. a. in mehreren Regionen der Niederlande (West-, Mittel- und Ost-Brabant), in Frankreich und in Irland. In den Niederlanden profitieren durch zertifizierte Stroh- und Hanfdämmung bereits über 1.000 Sanierungen davon.
  • Leitfäden entwickelt zu Rohstoffauswahl, Verarbeitung, Produkten und Beschaffung – auf Deutsch und Englisch
  • MOOCs erstellt – Online-Kurse zur biobasierten Sanierung auf Englisch, Niederländisch und Französisch
  • Auf dieser Basis Wohnungen saniert: Vier vorgefertigte, biobasierte Fassaden- und Dachsysteme mit Stroh, Holz, Biopolymeren, Hanf und Miscanthus wurden entwickelt und in 69 Wohneinheiten in den Niederlanden, Irland und Frankreich in der Praxis getestet.
  • Werkzeuge und Rahmenwerke geschaffen: Zum Thema CO₂-Speicherung, für Business Cases rund um biobasierte Baustoffe und als Entscheidungsgrundlage für Politik, Wohnungswirtschaft und Bausektor
  • Erste Schritte in Richtung materiaterra gemacht: Eine im Aufbau befindliche Plattform, um Akteure der Wertschöpfungskette zu vernetzen und biobasierte Materialien, Projekte und Innovationen sichtbarer zu machen, inklusive einer interaktiven Stakeholder-Karte
     

Der transnationale Ansatz hat dabei nachweislich Tempo gemacht – und dafür gibt es ein besonders anschauliches Beispiel mit deutscher Beteiligung: Miscanthus aus der Lausitz kam erstmals als Einblasdämmung im Dach eines Wohngebäudes in den Niederlanden zum Einsatz. Möglich wurde das durch die Zusammenarbeit der niederländischen Wohnungsbaugesellschaft Wonion, des Bauunternehmens Takkenkamp Vastgoed Verduurzamers und Building Balance. Die Aufbereitung des Miscanthus für die Einblasdämmung erfolgte dabei in der Lausitz, gemeinsam mit Uwe Kuehn von Miscanthus Buscheritz, einem der erfahrensten Praktiker im Bereich Miscanthus-Anbau, -Verarbeitung und -aufbereitung in Deutschland.

Dieser kurze Film zeigt Eindrücke aus der praktischen Anwendung vor Ort.

Aber auch an anderer Stelle hat der grenzüberschreitende Austausch erfolgreich Projekte entstehen lassen: Ein irisch-niederländisches Miscanthus-Dämmpaneel zeigte in ersten Tests 20 Prozent bessere Leistung bei weniger Materialeinsatz. Irisches Einblasstroh wurde gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmen Sonnenklee getestet – mit dem Ergebnis, dass dessen bestehende Zulassung künftig auch für den Einsatz von Einblasstroh in Irland gilt. Es gab zahlreiche gemeinsam organisierte internationale Webinare und Praxisbesuche bei Verarbeitungsbetrieben, Produkt- und Systemherstellern, privaten und kommunalen Bauprojekten sowie Forschungseinrichtungen, um Erfahrungen zum Aufbau und zur Etablierung biobasierter Lieferketten auszutauschen.

Aus dem Projekt ist vor allem eine echte Aufbruchsstimmung entstanden. Circular Reno hat die Beteiligten motiviert mit dem klaren Ziel, auch nach Projektende in Kontakt zu bleiben, sich gegenseitig zu unterstützen und regelmäßig über neue Entwicklungen auszutauschen.

In diesem Sinne soll auch die Plattform materiaterra langfristig etabliert werden. Sie wurde aus dem Circular Reno heraus als Informations- und Vernetzungsplattform für die Branche der natürlichen, biobasierten und regenerativen Baustoffe initiiert. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass in allen Partnerregionen zahlreiche Akteure aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Herstellung sowie Planung und Umsetzung an ähnlichen Lösungen arbeiten, ohne sich zu kennen oder auszutauschen. materiaterra soll genau diese Lücke schließen: Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar machen, praxisnahes Wissen zu Anbau, Verarbeitung und Förderung bündeln und der Branche eine gemeinsame Stimme gegenüber Markt, Planung und Politik geben. Die Stakeholder-Karte, die im Rahmen von Circular Reno entstanden ist, gibt den Aufschlag für einen ersten Prototyp. Ideen und Impulse sind dabei jederzeit willkommen – wer sich aktiv in dieses neue Netzwerk bzw. die entstehende Plattform einbringen möchte, meldet sich gerne bei Petra.vanderWielen@dena.de.

Für das Netzwerk des seriellen Sanierens zeigt Circular Reno eindrücklich, wie serielle, vorgefertigte Sanierungslösungen und biobasierte Materialien zusammengedacht werden können: geprüfte Systemlösungen, belastbare regionale Lieferketten und eine wachsende Zahl an Referenzobjekten sind die Grundlage, um biobasierte Baustoffe künftig auch im großen Maßstab in serielle Sanierungskonzepte zu integrieren. Was Circular Reno vor allem zeigt: In unseren Nachbarländern entstehen bereits eindrucksvolle Beispiele dafür, was mit dem nötigen politischen Rückenwind möglich ist – von zertifizierten Stroh- und Hanfdämmsystemen bis zu regionalen Wertschöpfungsketten zwischen Landwirtschaft und Bauwirtschaft, die teilweise sogar auf ministerieller Ebene mit eigenen Förderprogrammen unterstützt werden. Jetzt liegt es an uns, diesen Schwung mitzunehmen und biobasierte Lösungen auch in der seriellen Sanierung hierzulande stärker zum Standard zu machen. Die Werkzeuge, Leitfäden und Erkenntnisse aus Circular Reno stehen dafür bereit.

Alle Projektunterlagen und Ergebnisse finden Sie zum Download auf der Projektwebseite von Circular Reno.

Pressekontakt

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Ariane Steffen

Kommunikation Wohn- & Nichtwohngebäude

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